Von der Ächtung der Juden zur Achtung der Tiere?
Geschichte und Hintergründe des Schächtverbots in der Schweiz
Seminararbeit an der Universität Luzern, Wintersemester 2005/2006.  

© Ingrid Kaufmann



Das "jüdische" Bilderverbot

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1. Einleitung2

2. Gesellschaftliche und politische Voraussetzungen. 3

2.1 Gleichstellung der Juden im Kanton Aargau und in der Eidgenossenschaft 3

2.2 Der Wandel der judenfeindlichen Argumentation in der Schweiz. 5

2.3 Die Ambivalenz der Liberalen: Augustin Keller 7

3. Schächten. 8

3.1 Rechtslage in der Schweiz. 8

3.2 Ursprung und religiöse Vorschrift 9

3.3 Schmerz und Bewusstlosigkeit 11

3.4 Vergleich mit anderen Tötungsmethoden. 11

4. Tierschutzbewegungen. 13

4.1 Judentum und Tierschutz. 13

4. 2 Die ersten Tierschutzorganisationen. 13

4.3 Der politische Erfolg der Schweizer Tierschützer 14

4.4 Der Schweizer Tierschutz und das Judentum.. 15

5. Vom aargauischen Tierschutzgesetz 1854 zur Schächtinitiative 1893. 16

5.1 Gesetze und Erlasse zur Schlachtfrage. 16

5.2 Das Wahlverhalten in der Abstimmung von 1893. 19

5.3 Jüdische Reaktionen in der Schächtdebatte. 20

6. Schlussfolgerungen. 21

7. Literaturverzeichnis. 23

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich aufzeigen, dass in der Schweiz nicht vom Schächtverbot gesprochen werden kann, ohne auf seine antisemitischen Ursprünge einzugehen. Die Geschichte des Schächtverbots ist keine abgeschlossene, und auch in der Gegenwart gibt es noch Belege für antisemitische Bezüge.

Im März 2004 erschien in Basel eine rechtswissenschaftliche Dissertation mit dem Titel „Das Schächtverbot zwischen Tierschutz und Religionsfreiheit“. Der Autorin Sibylle Horanyi geht es darum zu zeigen, dass die in der Schweiz gültige Regelung Verbot des Schächtens mit gleichzeitiger Importerlaubnis für geschächtetes Fleisch sowohl mit dem Tierschutzgesetz als auch mit der Kultusfreiheit im Einklang stehe. Horanyi, selber eine aktive Tierschützerin, schlägt bewusst einen neutralen Ton an. Sie äussert sich respektvoll gegenüber der jüdischen Religion, hält aber das Schächten für tierquälerisch, weil es zu „Fehlschächtungen und Betriebsunfällen“ führen könne, und „dass selbst ein fachmännisch ausgeführter Schächtschnitt ohne vorherige Betäubung dem Tier mehr Angst, Schmerzen und Leid“[1] zumute. Horanyis Dissertation fand eine begeisterte Rezension durch  Erwin Kesslers VgT (Verein gegen Tierfabriken). Insbesondere wird hervorgehoben, dass in ihrer Dissertation das Wort „Antisemitismus“ kein einziges Mal vorkomme.[2] Ein Lob von Seiten eines Erwin Kessler, der sich für ein Importverbot für geschächtetes Fleisch stark macht, und der laut einem Gerichtsurteil öffentlich als Antisemit bezeichnet werden darf, weist auf eine historische Schwäche dieser Dissertation.

Es ist eine Eigenart des modernen Schweizer Antisemitismus, dass er „nie offen und brutal, sondern lieber verdeckt“[3] auftritt. Bereits vor über dreissig Jahren hat Golo Mann auf den „überaus diskret auftretenden“ Schweizer Antisemitismus aufmerksam gemacht[4]. Diese Diskretion sollte auch in der Zeit der Judenverfolgungen durch das Dritte Reich wirksam werden. Man wollte keine „Verjudung“ der Schweiz, da sie zu einem Radauantisemitismus nach Deutschem Vorbild hätte führen können. So entstand ein Abwehrdispositiv gegen die Juden, die Gerhart Riegner treffend mit „prophylaktischer Antisemitismus“ bezeichnet hat.[5] Dass Schweizer Antisemiten ihren Antisemitismus leugnen, hat eine Tradition, die sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt. Im 19. Jahrhundert machten die Schweizer Gegner der Juden und ihrer Emanzipation eine Entwicklung zum Pragmatismus durch: Weg von der Strasse und den Saubannerzügen, hin zur politischen Einflussnahme und der erfolgreichen Durchführung der Schächtinitiative 1893. Shulamit Volkov schreibt: "Der direkte Angriff gegen die Juden - als Individuen oder als Gruppe - hatte sich im Kampf gegen die Emanzipation als unwirksam erwiesen."[6] Dieser indirekte Kampf gegen die Emanzipation und Zuwanderung der Juden hat sich in der Schweiz besonders gut ausbilden können. In der Kombination mit dem Tierschutz, der humanistische Werte und ethische Argumente mit einer hohen emotionalen Wirkung ins Feld führt, wurden Antisemiten nicht mehr fassbar und dadurch beinahe unangreifbar.  

 

 

2. Gesellschaftliche und politische Voraussetzungen

2.1 Gleichstellung der Juden im Kanton Aargau und in der Eidgenossenschaft

 

Die Schweizer Juden wurden relativ spät emanzipiert. Es war hauptsächlich der Einfluss und Druck von ausländischen Mächten, der ihnen zu bürgerlichen Rechten verhalf.

Die Helvetische Republik (1798-1803), die im Zuge der französischen Revolution und der militärisch-diplomatischen Aktionen Frankreichs und der Besetzung der Schweiz entstanden war, brachte in ihrer Verfassung vom 28. 3. 1798 den Juden das Recht auf Kultus- und Gewissenfreiheit. Die Leibzölle wurden aufgehoben, doch die Aargauer Juden[7] waren nicht zur Leistung des Bürgereids zugelassen: sie wurden als in der Schweiz niedergelassene Fremde behandelt. Im Gefolge der Helvetik kam es zu Kämpfen zwischen den revolutionären Unitariern (Anhänger des neuen Einheitsstaates) und konservativen Föderalisten (Anhänger des alten Staatenbundes), die vor allem in der katholischen Innerschweiz und der armen Landbevölkerung vertreten waren. Die konservativen Gegenrevolutionäre waren gegen die Emanzipation der Juden. Die Errungenschaften der Helvetik wurden unter der Mediation (1803-1813) und der Restauration (1815-1848) erheblich gemindert. Der neue Niederlassungsvertrag von 1827 stellte es in der Raynelvalschen Klausel den Kantonen frei, neue Niederlassungen von Juden zu verbieten. Auch die Regenationsperiode ab 1830 brachte den Juden keine Verbesserungen. Dies schlug sich auch in der Bundesverfassung von 1848 nieder, die Niederlassungsfreiheit, Kultusfreiheit und Rechtsgleichheit nur Schweizern christlicher Konfession gewährte. Diese mangelhafte Rechtslage bildete den Ausgangspunkt der jüdischen und liberalen Emanzipationsbestrebungen im Kanton Aargau. Das erste Aargauische Emanzipationsgesetz vom 15. Mai 1862 führte zu einer von Judenfeindschaft getragenen Volksinitiative, in der der Aargauische Grosse Rat abgewählt wurde. Dem Druck des Stimmvolkes folgend, wurde das Emanzipationsgesetz wieder aufgehoben. Damit geriet der Aargau in Konflikt mit der eidgenössischen Gesetzgebung, die seit 1856 den Juden das eidgenössische und kantonale Stimmrecht und Rechtsgleichheit im Handel gewährte. Am 28. August 1863 gestand der Aargauische Grosse Rat auf Ersuchen der Eidgenossenschaft den  Aargauer Juden das politische Stimmrecht zu. Vollständig und gesamtschweizerisch wurden die Juden aber erst unter dem Druck der Vereinigten Staaten, Frankreichs, Englands und Hollands gleichgestellt. 1866 genehmigte das Volk die abgeänderte Bundesverfassung, in der die die Bürgerrechte einschränkenden Worte „christlicher Konfession“ gestrichen wurden. Das Stimmvolk war in zwei fast gleich grosse Hälften gespalten, und das Abstimmungsergebnis war entsprechend ambivalent: Den Juden wurde Niederlassungsfreiheit, aber keine Kultusfreiheit gewährt.[8] Erst mit der  Bundesverfassung von 1874 wurde die vollständige Gleichstellung der Juden verwirklicht. Doch auch nach 1874 wurden Juden benachteiligt. So unterschrieb die Eidgenossenschaft 1878 einen Handelsvertrag mit Rumänien, der die Schweizer Juden von den Grundrechten in Rumänien ausschloss[9].

Mit dem eidgenössischen Schächtverbot von 1893 wurde die Gleichberechtigung der Schweizer Juden wieder zurückgestuft. Die in der Bundesverfassung von 1874 garantierte Religionsfreiheit wurde dadurch wieder zunichte gemacht.

 


2.2 Der Wandel der judenfeindlichen Argumentation in der Schweiz

 

Die judenfeindliche Argumentation erfuhr im Laufe des 19. Jahrhunderts einen grundlegenden Wandel und sollte im modernen Antisemitismus seinen Niederschlag finden. Zu religiösen und wirtschaftlichen Argumenten kamen nationale und rassistische. Der christliche Antijudaismus wurde nicht nur zu einem Baustein des Antisemitismus, er wurde umgekehrt auch durchdrungen von den neuen nationalen und völkischen Ideen. Nach der verfassungsmässigen Gleichstellung der Juden 1874 und der beginnenden Einwanderung von Juden aus Osteuropa, wurde die Fremdenfeindlichkeit zu einem weiteren wichtigen Baustein des Schweizer Antisemitismus.

Im Laufe der Jahre nach dem Ende der Helvetik nahm die Judenfeindschaft immer schärfere Konturen an. Die judenfeindlichen Argumente im sogenannten „Zwetschgenkrieg“, dem Pogrom gegen die Juden Endingens und Lengnaus, von 1802 wirkten noch roh und unausgereift. Doch die Juden wurden bereits als “Schinder“ und „Blutsauger“ [10] marginalisiert. Man beachte im Hinblick auf die fünfzig Jahre später beginnende Schächtdebatte, welche Bilder diese Schmähworte hervorrufen. Die Herstellung einer Verbindung zwischen Juden, Blut und Messer wurde zu einer eigentlichen Obsession der Judenhasser. Im Verlauf der Emanzipationsdebatte entstand zusätzlich ein ganzer Apparat judenfeindlicher Argumente, der von Gegnern und Befürwortern der Emanzipation  gleichermassen benutzt wurde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde nebst den überlieferten christlichen Vorwürfen (Juden als Christusmörder), den Juden moralische Verdorbenheit[11], betrügerischer Handel[12] und Hehlerei[13] vorgehalten. In ihrer Gesamtheit hielt man sie wegen ihrer Armut für schädlich; so befürchtete man im Kanton Aargau, dass sie deswegen dem Kanton zur Last fallen könnten[14]. Zwanzig Jahre später, 1829, enthielt die Kritik bereits nationalistische bzw. „völkische“ Elemente: nun hiess es auf einmal, Juden seien die „Verderber der Volkswohlfahrt“[15]. Man bezichtigte sie des Müssiggangs, weil sie, (die kein Recht auf Landbesitz hatten), Handel statt Landwirtschaft betrieben[16]. In der Emanzipationsdebatte der 1840er Jahre sprachen die Politiker vom „Schacher“, einem wucherischer Handel, der grundlegend mit den Juden in Verbindung gebracht wurde. Das Wuchern wurde vermehrt als eine  spezifisch jüdische Charaktereigenschaft dargestellt[17].

In einer Umfrage 1844 zur Gewährung von Niederlassungs- und Gewerbefreiheit an die Juden verwies der Badener Bezirksamtmann auf  die „asiatische“ Moral der Juden[18].  Die protorassistische, „wissenschaftliche“ Komponente des Judenhasses war neu, sie sollte zu einem der wichtigsten Bestandteile des modernen Antisemitismus werden. Vorläufer einer rassistischen Argumentation finden sich auch in einer Eingabe der christlichen Ortsbürger von Oberendingen und Lengnau von 1861. Die Juden seien eine „träge und entartete Nation“ mit Eigenschaften, die sie deutlich von den Christen unterschieden: „ Allein auch ehe er nur redet, kennt man ihn. Er hat etwas Verschmitztes, Heimtückisches, Zudringliches und Abgeschmacktes an ihm und das kann er sich nicht aus dem Gesichte waschen. Unter  Tausenden, selbst unter Soldaten, wo doch Christen und Juden gleich gekleidet sind, findet man den Juden heraus. Auch entgeht dem Juden ein eigentümlicher widerlicher Geruch und den kann jeder am besten empfinden, wenn er einmal an einem jüdischen Feste einen kleinen Spaziergang durch eines der Dörfer Ober-Endingen oder Lengnau bei der Synagoge vorbei macht.“[19]

Auch der überlieferte Antijudaismus wurde „ausgebaut“. Man verstand die Eid­genossenschaft als einen christlichen Staat, dem die „jüdische Nationalität“ fremd und feindlich gegenüber stehe[20]. Der Messiasglaube der Juden führe zu einer doppelten Moral und könne sich gegen den Staat richten. An der Spitze des aargauischen Widerstandes gegen die Emanzipation stand Johann Nepomuk Schleuniger (1810-1874) und die katholische Regionalzeitung „Die Botschaft“. Schleuniger bezeichnete die Juden als „Todfeinde des Christenstaates“[21] und hielt es für erwiesen, dass der Talmud „Diebstahl, Betrug und Meineid“ rechtfertige[22]. Frei erfundene Behauptungen über die religiöse Praxis der Juden machten in der emanzipationsfeindlichen Presse die Runde. Der Endinger Rabbiner Meyer Kayserling (1829-1905) wehrte sich 1862 gegen die religiösen Angriffe Schleunigers: Schleuniger sei „ein infamer Verleumder, solange er nicht nachweist, wo die Stelle, ‚verflucht sei Jesus von Nazareth’ in dem täglichen Gebetbuch der Juden (Siddur) sich befinde“[23]. Sogar die Unterstellung des Ritualmordes wurde in der katholischen „Schweizerischen Kirchenzeitung“ ab 1882 wieder aufgegriffen[24].

Im Verlaufe der rechtlichen Gleichstellung der Schweizer Juden wuchs die Zahl der Juden von 3145 im Jahre 1850 auf 8089 im Jahre 1888 an[25]. Auch wenn die Einwanderung hauptsächlich vom Elsass und vom Vorarlberg her erfolgte, und die Zahl der Ostjuden sich auf einige Hundert beschränkte, wurde nun das Feindbild vom unzivilisierten Ostjuden beschworen. Das jahrelange Gerede von den Juden als einer "fremden Nation" fand nun endlich seine sichtbare Bestätigung. In der Schächtdebatte sollte dem Feindbild vom „orientalischen“ Glauben der Juden eine tragende Rolle zukommen.[26]

 

 

2.3 Die Ambivalenz der Liberalen: Augustin Keller

 

Die Argumente der liberalen Befürworter der Judenemanzipation unterschieden sich nicht wesentlich von denjenigen der Gegner[27]. Auch der als „Judenfreund“ bekannte Augustin Keller war voller Vorurteile gegen die Juden. Auch wenn er sich auf keine Rassenlehre berief, sondern religiöse und sittliche Vorbehalte hatte, war er von einer tiefen Ambivalenz geprägt. [28].

Augustin Keller (1805-1883) war Aargauer Regierungsrat.  Er war aus einem liberal-katholischen Haus, und ihn verband eine Hassliebe zum Katholizismus. 1841 setzte er sich für die Aufhebung der Klöster ein, und er ist der Begründer der von Rom unabhängigen christkatholischen Kirche. Als Seminardirektor und Erzieher reformierte er das Aargauer Schulwesen, wobei er der landwirtschaftlichen Tätigkeit eine zentrale Stellung einräumte. Die von ihm verfassten Schulbücher sind geprägt von christlichem Antijudaismus. Mit dem Satz: “Die Juden haben Jesus gekreuzigt zu Jerusalem“ sollte das Schreiben geübt werden[29]. Ab den 1860er Jahren setzte er sich für die rechtliche Gleichstellung der Juden ein. In seiner Rede vom 15. Mai 1862 im Aargauischen Grossen Rat bezeichnete er die Emanzipation als ein Gebot der Humanität, und gleichzeitig sollte sie die Juden sittlich heben. „Dieses niedere, verachtete, verwahrloste Schachervolk“ sollte mit dem Geschenk der Freiheit edleren Berufen zugeführt werden[30]. Hierin befand sich Keller in der Tradition mit den deutschen Befürwortern der Emanzipation, wie Dohm und Humboldt, die die Emanzipation von vornherein als ein Erziehungsproblem begriffen[31]. Im Schlussvotum seiner Rede forderte Keller von den Juden nichts weniger als Assimilation: Die Aufgabe der Speisegesetze, ihres absonderlichen Idioms, des Surbtaler Jüdisch-Deutschen, das Verlassen der Hausiererberufe (sie sollten Bauern werden) und die Verlegung des Schabbats auf den Sonntag. Keller zählte das Judentum nicht zu den „vernünftigen“ religiösen Gruppen, und in der jüdischen religiösen Praxis sah er nichts als „rabbinische Fesseln“ [32]. Seine Haltung zur Debatte über das Schächten (ab 1861)  ist noch nicht recherchiert worden[33].

 

 

 

3. Schächten

3.1 Rechtslage in der Schweiz

 

1893 wurde folgender Artikel 25bis in die Bundesverfassung aufgenommen: „Das Schlachten der Tiere ohne vorherige Betäubung vor dem Blutentzug ist bei jeder Schlachtart und Viehgattung ausnahmslos untersagt.“ Mit der Verfassungsrevision von 1973 wurde dieser Artikel durch einen allgemeinen Tierschutzartikel ersetzt. Seit 1981 ist die Betäubungspflicht für Schlachttiere nicht mehr in der Verfassung, sondern auf Gesetzesstufe im Tierschutzgesetz geregelt. Art. 20 TSchG 1: „Das Schlachten von Säugetieren ohne Betäubung vor dem Blutentzug ist verboten.“

Somit ist das Schächten in der Schweiz verboten, und Juden und Jüdinnen, die koscheres Fleisch essen möchten, sind auf Importe angewiesen. In der Agrareinfuhrverordnung wird die Einfuhr von koscherem Fleisch geregelt.

 

3.2 Ursprung und religiöse Vorschrift

 

Das Wort Schächten kommt vom hebräischen Verb  שחט (schachat) = schlachten beziehungsweise vom dazugehörigen Substantiv שחיטה[34] (schechita). Es bezeichnet das rituelle Schlachten eines gesunden, nach religiöser Anschauung reinen Tieres.

Das Judentum verbietet den Verzehr von Fleisch lebender Tiere. Das Blut gilt als Sitz des Lebens, und so heisst es schon in der Tora: “Doch Fleisch mit seinem Leben, seinem Blut, das sollt ihr nicht essen.“[35] und „Nur bleibe fest, dass du das Blut nicht isst, denn das Blut ist die Seele, und du sollst nicht die Seele mit dem Fleisch essen.“[36]. In der fünften Ordnung „Kodaschim“ (Heilige Dinge) des Talmud finden sich genaue Schlachtvorschriften. Seit dem Mittelalter dürfen nur noch speziell ausgebildete Personen den Schächtschnitt ausführen. Sie müssen volljährig, mündig und moralisch unbescholten sein. Der Schochet, der Schächter, hat eine theoretische und praktische Prüfung zu absolvieren und wird vom Rabbiner autorisiert. Der Schächter muss auch später seine Fähigkeiten in einer Prüfung, die in regelmässigen Abständen wiederholt wird, unter Beweis stellen[37].  Das absolut schartenfreie Schächtmesser muss vor dem Schnitt in zwölf Prüfungen kontrolliert werden.[38] Die Schneide muss mindestens die doppelte Länge der Halsbreite des zu schlachtenden Tieres haben. Es darf nur für den Halsschnitt verwendet werden, und nicht zum Schneiden von Fleisch oder Fett.

Zum Schächten muss das Tier in eine bestimmte Position gebracht werden, damit der Halsschnitt ohne Ausübung von Druck ausgeführt werden kann. Das heisst, dass Hals und Kopf  so fixiert werden, dass alle Weichteile bis hin zur Wirbelsäule durchtrennt werden können. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war es noch üblich, grössere Tiere niederzuwerfen und ihnen den Kopf zu strecken. Da die Vorbereitungshandlungen keiner religiösen Vorschrift unterliegen, wurden seit den Zwanzigerjahren mechanische Geräte entwickelt, die das Niederlegen der Tiere verbessern[39]. Gemäss dem ehemaligen Basler Rabbiner und Tierarzt Israel Meir Levinger müssen beim eigentlichen Schächtschnitt folgende fünf Grundregeln beachtet werden:

1. Schehija — Unterbruch: Der Halsschnitt darf nicht unterbrochen werden. Das Messer     muss in seiner ganzen Länge genügend scharf sein, dass es während dem Führen immer        schneidet und keine Pause entsteht.

2. Derassa — Druck: Das Messer muss ohne jeglichen Druck geführt werden, nicht einmal   das Halten des Fingers auf der Klinge ist gestattet. Beim Schächten von unten nach oben ist diese Bedingung nur schwer zu erfüllen. Darum werden die Tiere in der Regel liegend geschächtet. Falls doch stehend geschächtet wird, soll der Schnitt im Winkel von 45° gemacht werden. Dieser Schnitt bedarf besonderer Übung. Auch diese Vorschrift verlangt       nach einem äußerst scharfen Messer.

3. Chalada — Verstecken: Das Messer muss während des ganzen Schnittes beobachtet werden können. Man muss es nicht unbedingt beobachten, aber es darf nicht durch irgendetwas wie Wolle, Haare, Haut oder fremde Objekte, wie Stricke, verdeckt werden. Darum müssen allzu reiche Wolle oder Stricke usw vor dem Schächten entfernt werden.

4. Hagrama — Beobachten der Schnittstelle: Das Messer darf während des Schnittes die vorgesehene Halspartie nicht verlassen. Die gegebene Halspartie liegt in der Trachea unterhalb des geschlossenen Ringes des Larynx und höher als der Eintritt in die Brusthöhle, wo die Muskeln sehr dick sind und tief geschnitten werden muss, bevor die Trachea erreicht werden kann. Es soll nicht im geschlossenen Ring des Larynx geschnitten werden, denn             dieser ist hart, manchmal auch mit knöchernen Einlagerungen versehen. Ein Schnitt in dieser Partie würde wahrscheinlich schmerzhaft werden.

5. Ikkur Reissen: Es muss geschnitten und darf nicht gerissen werden. Dies kann nur       durch ein glattes Messer erreicht werden, das keine einzige Pegima (Scharte) aufweist. Bekanntlich sind Schnittwunden weniger schmerzhaft und bluten stärker als Risswunden. Beide Effekte der Schnittwunden sollen beim Schächten erzielt werden.[40]

Beim Halsschnitt werden alle Weichteile des Halses bis zur Wirbelsäule durchtrennt. Die Wirbelsäule, das Rückenmark und die inneren Gefässe des Wirbelkanals werden nicht tangiert. Nach dem Tod des Tieres, und wenn es vollständig ausgeblutet ist, müssen die inneren Organe einer rituellen Prüfung (Bedika) unterzogen werden. Innere Verletzungen oder Anomalien führen dazu, dass das Fleisch nicht als koscher gelten kann.

Ein grosser Teil des Fleisches eines geschächteten Tieres gelangt auf den freien Markt, da das ganze Hinterteil ab der 13. Rippe als unrein gilt, ebenso wird das verbotene Fett, der Ischiasnerv, die Baucheingeweide, die Milz und der Darm entfernt. Über den prozentualen Anteil des Ausschusses beim Schächten gibt es stark voneinander abweichende Angaben: Ein mir bekannter Zürcher Maschgiach[41] spricht von 50%, während die Organisation Kag-Freiland von 85% spricht[42].

 

3.3 Schmerz und Bewusstlosigkeit

 

Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob und wie schmerzhaft der Schächtschnitt ist, und über die Zeitspanne bis zur völligen Empfindungslosigkeit des Tieres. Heute weiss man, dass es falsch ist, von minutenlangen Todeskämpfen zu sprechen, hier wurden die Muskelkontraktionen als Ausdruck eines qualvollen Leidens missdeutet.

Schächtbefürworter gehen davon aus, dass die Bewusstlosigkeit schon nach 3 – 10 Sekunden eintritt, während Schächtgegner von maximal 14 Sekunden beim Schaf und 32 Sekunden beim Rind sprechen[43].

 

3.4 Vergleich mit anderen Tötungsmethoden

 

Die im 19. Jahrhundert üblichen Schlachtmethoden: Genickstich oder Schlag auf den Kopf mit Hammer oder Axt, waren nicht tierfreundlicher. Zwar wurde dadurch das Tier früher immobilisiert, und es floss weniger Blut, doch oft war es noch bei vollem Bewusstsein. Vielen Zeitgenossen war es klar, dass auch die unangefochtenen Schlachtmethoden nicht unbedingt tierfreundlich waren. So liess die Mehrheit der Nationalratskommission 1891 zur Schächtfrage verlauten: „Wie ist es mit der Technik der Schlachtmethoden überhaupt bestellt? Eine gewöhnliche Tödtungsart ist die, dass dem Thier mit einer Axt oder einem Hammer ein Schlag auf den Kopf gegeben wird. Es sind Beispiele bekannt, wo dieser Schlag 16 mal wiederholt werden musste, bis das Thier endlich fiel.“[44] Auch die neuaufgekommenen Tötungsarten mit der Schussmaske oder Stichmaske wirkten noch nicht zuverlässig.

Die heute in der Schweiz zugelassenen Schlachtmethoden sind: Bolzenschuss, Kugelschuss, elektrische Betäubung, Gasanästhesie mit Kohlendioxid (CO2) bei Schweinen, Kopfschlag (bei Kaninchen und Geflügel), Jet-Injektion (Durchstossen der Schädeldecke mit einem Hochwasserstrahl), Dekompression (Schweine werden in eine Unterdruckkammer gebracht) und die Anwendung von elektromagnetischen Mikrowellen bei Geflügel.

Einige dieser Tötungsarten verursachen den Tieren Stress  und Schmerzen. Zum Beispiel die Gasanästhesie wird diesbezüglich kritisiert. Die Schweine werden erst nach 10 – 40 Sekunden bewusstlos und bekommen Angst durch Erstickungsanfälle[45]. Der Schweizer Journalist Linus Reichlin hat einer solchen Schlachtung zugeschaut:

 Durch die Löcher schaute ich in die Gondel; sie schwebte hinunter in den Schacht, die  Schweine staunten, schwebten zum ersten Mal, bis sie mit der Gondel im Kohlendioxyd-See versanken: Sie brüllten mit verdrehten Augen; zuunterst im Schacht zitterten sie wie durchgeschüttelt. So schlafen sie ein, sagte der Schlachtmeister. […] Eins sperrte sich, […], stand mit den Vorderbeinen schon in der Gondel, mit den hinteren noch auf dem  Schlachtband, verankerte sich, verstopfte den Produktionsfluss. Ein Arbeiter stach es mit  einer Art Morgenstern. Das sind Dornen, aber stumpfe, sagte der Schlachtmeister. Das   Schwein krümmte sich, konnte aber nicht zurück und wollte nicht nach vorn, die blockierte Gondelanlage surrte, der Schlachtfluss stockte, der Jugoslawe, der die betäubten Schweine an die Haken hängt, hatte nichts zu tun, und der Portugiese wechselte die Waffen, rammte einen  Stock in die Flanke des Schweins oder prügelte es, Schläge auf den Kopf, Rücken, bis es sich mit einem Schrei in die Gondel flüchtete. Endlich. Die Klappe schnappte zu, die Gondel war frei, sich zu senken.[46]

 

 


4. Tierschutzbewegungen

 

4.1 Judentum und Tierschutz

 

Zu den Gründern der Tierschutzvereine gehörten überall auch Juden[47]. Auch der Endinger Rabbiner Kayserling und der St. Galler Rabbiner Engelbert waren Mitglieder im Tierschutzverein. Rücksichtnahme und Barmherzigkeit gegenüber Tieren ist im Judentum fest verankert. In der Bibel und im Talmud finden sich zahlreiche Vorschriften zur Pflege und zum Schutz von Tieren und zur Verhinderung von Qual. Das Verbot Fleisch von noch lebenden Tieren zu essen, gehört zu den ältesten Vorschriften. Auch die rabbinische Vorschrift, zuerst die Tiere zu füttern, bevor man selber Nahrung zu sich nimmt, hat seine Ursprünge in der Tora. Das Sabbatgebot gewährt den Haustieren, ebenso wie den Menschen, Ruhe und Erholung. Im Talmud ist die Jagd verpönt, und es findet sich eine grosse Zahl von Parabeln und Sagen, die das Erbarmen gegenüber Tieren zum Inhalt haben. Dabei steht die Schonung der Tiere stets in einer Wechselwirkung mit dem Respekt den Menschen gegenüber. Häufig findet sich auch der Satz: „Wer sich erbarmt über Gottes Geschöpfe, über den wird auch der Himmel sich erbarmen.“ [48]

 

 

 

4. 2 Die ersten Tierschutzorganisationen

 

Die erste Tierschutzorganisation wurde 1824 in London gegründet. In den folgenden Jahren entstanden auf dem europäischen Kontinent weitere Tierschutzvereine.  Die ersten Tierschutzbestrebungen galten vorerst als eine Marotte empfindsamer Bildungsbürger[49]. Ihre Entfremdung von der Natur stand im Gegensatz zur Lebensrealität der ländlichen Bevölkerung. Die Tierschützer kämpften gegen die Verrohung der Sitten und wollten die Bevölkerung bessern, indem sie Mitgefühl und Sensibilität gegenüber Tieren erweckten[50]. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen die Tierschutzorganisationen eine ernstzunehmende gesellschaftliche Kraft zu werden. 1860 fand der erste internationale Kongress der Tierschützer in Dresden statt. Die Zielsetzungen der einzelnen Vereine waren noch sehr von den persönlichen Interessen ihrer, der Oberschicht angehörenden, Mitglieder abhängig. Gegen Jagd und Angelsport wurde wenig eingewendet, doch Fuhrleute, Viehhändler und Metzger, die roh mit den Tieren umgingen, gerieten ins Zentrum der Tierschutzbestrebungen.

Der erhöhte Fleischkonsum in den industrialisierten Ländern führte zur intensiven Beschäftigung mit den Schlachtmethoden. Die Errichtung moderner Schlachtanstalten, die beginnende Industrialisierung des Schlachtens und der Erlass staatlicher Schlachtverordnungen führten zur verstärkten Einflussnahme der Tierschützer auf die Behörden[51].

 

 

4.3 Der politische Erfolg der Schweizer Tierschützer

 

Der erste Schweizer Tierschutzverein wurde 1844 in Bern durch  den Gefängnisgeistlichen Adam Friedrich Molz gegründet. Der Zürcher Tierschutz­verein, der im Jahre 1856 entstand, wurde von Pfarrer Philipp Heinrich Wolff ins Leben gerufen. Den Tierschutzorganisationen, die anfangs von kirchlichen und philanthropischen Kreisen getragen wurden, traten auch Gewerbetreibende, Wirte und Grossmetzger bei, die hier ihre wirtschaftlichen Interessen vertraten. 1861 wurde ein gesamtschweizerischer Verband gegründet, der bald halboffizielle Funktionen wahrnahm. Der Tierschutz verstand sich dahingehend, dass er eine polizeiliche Aufgabe zu erfüllen hätte und präventiv und repressiv arbeiten müsse. Zu diesem Zweck zog er ein Überwachungs- und Spitzelsystem auf und setzte Prämien für die Verzeigung von Vergehen aus[52]. Der grosse politische Erfolg bei der Durchführung der Schächtinitiative 1892 ist im Zusammenhang mit der Mobilisierung latenter antijüdischer und fremdenfeindlicher Ressentiments in der Bevölkerung zu sehen.

 

 

4.4 Der Schweizer Tierschutz und das Judentum

 

Es mutet seltsam an, dass eine Bewegung wie der Tierschutz sich im Verlaufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr dem Antisemitismus zuwandte. Überall wo die Emanzipationsbestrebungen der Juden zu Spannungen führten, wurde die Schächtfrage zu einem zentralen Thema gemacht, und die schwelende Judenfeindschaft der Bevölkerung wurde für eigene Zwecke instrumentalisiert[53].

1869 fand in Zürich der Kongress der europäischen Tierschutzvereine statt. Im Zentrum des Kongresses stand das Schächten. Rabbiner Kayserling von Endingen, der selber Mitglied der Tierschutzvereinigung war, konnte den Kongressteilnehmern demonstrieren, dass das rituelle Schlachten nicht im Widerspruch zum Tierschutz stand[54]. Da unter den Mitgliedern des Kongresses in der Schächtfrage Uneinigkeit herrschte, wurden die Veterinäre mit deren Beurteilung beauftragt. Da dies vor allem Amtstierärzte und Schlachthausdirektoren waren, die sich für neue Schlachtmethoden stark machten und Geräte wie die „Bouterole“, einer Stiftmaske, oder die Schussmaske vermarkten wollten, stellten sie das Schächten nicht zuletzt wegen kommerzieller Interessen als grausam und unzeitgemäss dar[55]. Dennoch beschlossen  die Tierschutzvereine im Jahr 1877, sich nicht mehr mit der Schächtfrage zu befassen. Dies sollte sich ändern, als 1879 der Schächtgegner Andreas Keller-Jäggi  Präsident des Aargauer Tierschutzvereins wurde. Andreas Keller-Jäggi wurde zum Anführer der Schächtgegner. Es ging ihm darum zu beweisen, dass das Schächten keine religiöse Handlung sei, und bezog sich auf die Schriften des seines Amtes enthobenen Reformrabbiners Jakob Stern[56], der die Befürworter des Schächtens als eine sektiererische Minderheit bezeichnete. Keller-Jäggi forderte die Juden auf, sich aus ihrer „mittelalterlichen Religionsverknöcherung“ zu lösen[57]. Für ihn war das Schächtverbot eine Frage von Humanität und Fortschritt. Die Tierschützer, die stets beteuerten, keine Antisemiten zu sein, bekamen Schützenhilfe durch den Berner Politiker und Publizisten Ulrich Dürrenmatt (1849-1908), der ein bekennender Antisemit[58] war. Er verfasste zahlreiche Gedichte und Schriften die von Judenhass strotzten. Als 1882/83 im ungarischen Tisza-Eszlar ein Ritualmordprozess stattfand und die Welt gebannt dem Ausgang des Prozesses entgegensah, schrieb Dürrenmatt: „Das Christenmädchen von Eszlar, Vergessen kann ich es nicht, Wie es der jüdische Schächter Zum Opferlamm ersticht.“[59] Auch die Tierschützer wurden in der Wahl ihrer Worte immer aggressiver. So bezeichneten sie nach einer politischen Niederlage 1891 die Bundesräte als „Schächtherolde“ die sich dem Druck „jüdischer Geldsäcke“ gebeugt hätten[60].

1893 veröffentlichte Keller-Jäggi unter dem Pseudonym „Verus“ eine Schrift mit dem Titel „Der ‚tiefsittliche’ Ernst des Talmud und des Schulchan Aruch. Auch ein Beitrag zur Schächtfrage“. Er stützte sich hierin auf die Schrift „Der Talmudjude“(1871) des Antisemiten August Rohling aus Prag. Rohling behauptete, dass die Juden im Grunde keine Religion hätten, ihr höchstes Gebot ihnen aber befehle Ritualmorde zu begehen[61].  Keller-Jäggi übernahm von Rohling die Behauptung, dass das Judentum jede Art von Verbrechen an den Christen rechtfertige und dass talmudtreue Juden die Christen lediglich als Tiere in Menschengestalt und nicht als Menschen betrachten[62]. Indem der Tierschutz die Schlachtfrage zur „Judenfrage“ machte, übernahm er in der Schweiz, in der es keine grossen antisemitischen Bewegungen wie in Deutschland gab, die Rolle einer Partei, die Antisemiten jeder Couleur zu sammeln vermochte.

 

 

5. Vom aargauischen Tierschutzgesetz 1854 zur Schächtinitiative 1893

 

5.1 Gesetze und Erlasse zur Schlachtfrage

 

Die verschiedenen Erlasse und Gesetze im Zusammenhang mit dem Schächten waren  begleitet von Klagen, Gerichtsurteilen, Rekursen und einer riesigen Zahl tierärztlicher Gutachten der verschiedenen Parteien, auf die ich hier nicht eingehen werde.

1854 wurde im Kanton Aargau das erste Schweizer Schächtverbot erlassen. Das Gesetz sah vor, dass die Tiere beim Schlachten durch einen Schlag auf den Kopf getötet werden sollten. Die Aargauer Juden wehrten sich umgehend gegen diesen Erlass, und erwirkten 1855 ein Ausnahmegesetz, das das rituelle Schlachten in Endingen und Lengnau weiterhin gestattete. In den Jahren 1859 und 1860 baten die Juden von Baden vergeblich um die Anwendung des Ausnahmegesetzes in Baden. Daraufhin erwog der Grosse Rat des Kantons Aargau, das Schächten im ganzen Kanton wieder zuzulassen. Die bestellten Sachverständigen erklärten, dass das Schächten nicht schmerzhafter als die Tötung durch Kopfschlag sei. 1861 überwies die Aargauer Regierung dem Grossen Rat einen Abänderungsvorschlag zum Gesetz über Tierquälerei, der aber wegen der Emanzipationsfrage zurückgestellt wurde, und erst 1866 wieder aufgegriffen wurde. Unterdessen hatte aber ein Stimmungsumschwung stattgefunden, und der Gesetzesentwurf wurde mit grossem Stimmenmehr verworfen. Im Februar 1867 wurde sogar der Versuch unternommen, das für Endingen und Lengnau geltende Ausnahmegesetz wieder abzuschaffen.

  Der Aargauische Grosse Rat war von den Ereignissen in St. Gallen beeinflusst:

Im Kanton St. Gallen hatten die Juden am 4. Juni 1866 einen Kultusverein gegründet. Nur zwei Monate später klagten die St. Galler Metzger, dass die jüdische Schlachtmethode nach St. Galler Recht Tierquälerei sei. (Es ist kein Zufall, dass es ausgerechnet Metzger waren, die klagten: der nichtkoschere Anteil des geschächteten Fleisches wurde in direkter Konkurrenz zu ihnen verkauft.) Der St. Galler Gemeinderat befand, dass das Umwerfen des Tieres und der Schächtakt selber Tierquälerei sei und verbot am 23. August 1866 das Schächten. Die jüdische Gemeinde wandte sich an den St. Galler Regierungsrat, der aufgrund eines Gutachtens von Professor Zangger von der Tierarzneischule Zürich befand, dass das Schächten keine Tierquälerei darstelle. 1867 erhielten wies der St. Galler Regierungsrat den Gemeinderat an, das Schächten im Schlachthof zuzulassen.

Als die „Bouterole“, die Pariser Stichmaske zur Tötung des Schlachtviehs, sich langsam auf dem Markt durchsetzte, verlangte der St. Galler Gemeinderat 1874, dass auch die Juden nach diesem Verfahren schlachten sollten. Somit war das Schächten wieder verboten. Der St. Galler Rabbiner Engelbert rekurrierte im Namen der jüdischen Religionsgemeinschaft vergeblich beim St. Galler Regierungsrat. Er begründete seinen Rekurs damit, dass das Schächtverbot eine Verletzung der in der Bundesverfassung von 1874 garantierten Glaubensfreiheit sei. Mehr Erfolg hatte der Rekurs bei den Bundesbehörden, die den Entscheid des St. Galler Regierungsrates umgehend sistierten.

Im Jahre 1886 wurde die Schächtfrage erstmals auf eidgenössische Ebene gebracht. Der Zentralvorstand der Schweizer Tierschutzvereine verlangte in einer Petition an den Bundesrat, dass das Schlachten ohne Betäubung und insbesondere das Schächten, das die öffentliche Sittlichkeit verletze, zu verbieten sei. Der Bundesrat antwortete 1887, dass vorerst bewiesen werden müsse, dass das Schächten Tierquälerei sei. Parallel dazu forderte der Aargauische Grosse Rat vom Regierungsrat, einen „Gesetzesentwurf einzubringen, welcher das Ausnahmegesetz vom 13. November 1855 betreffend das rituelle Viehschlachten der Juden aufhebt“[63],  Daraufhin wandten sich die jüdischen Gemeinden Endingen, Lengnau, Baden und Bremgarten 1888 in einer Rekursschrift an den Bundesrat. Sie betonten, dass das Schächten von fundamental religiöser Bedeutung sei und baten den Bundesrat, die aargauischen Bestimmungen, die mit der Glaubensfreiheit im Widerspruch standen, aufzuheben. Der Bundesrat ersuchte in der Folge die Schweizer Gesandten in Berlin, Wien, Rom, Paris, Washington, Brüssel, St. Petersburg und London, über die rechtliche Situation in den jeweiligen Ländern bezüglich das Schächten Auskunft zu geben. In all diesen Ländern war das Schächten erlaubt.

Am 7. Juni 1889 erhielt der Bundesrat ein Schreiben vom Genfer Tierschutzverein, der in der Angelegenheit vermitteln wollte. Der Genfer Grossrabbiner Wertheimer hatte 1886 ein Schächtreglement erlassen, mit dem der Tierschutzverein einverstanden war. Der Vermittlungsversuch des Genfer Tierschutzvereins blieb folgenlos, da sich die Fronten gesamtschweizerisch schon verhärtet hatten.

Am 20. August 1889 wurde das Schächten im Kanton Bern verboten. Am 19. September 1889 wandten sich die israelitischen Kultusvereine des Kantons Bern an den Bundesrat, der das Berner Schächtverbot sistierte. Ein tierärztliches Gutachten zuhanden der Bundesbehörden befand, dass nicht das Schächten an sich, sondern lediglich die Vorbereitungshandlungen (das Niederwerfen des Tieres) eine tierquälerische Handlung sei. Die Schweizer Rabbiner erstellten daraufhin ein strenges Schächtreglement, das dem bundesrätlichen Entscheid Rechnung trug.

Die Tierschutzorganisationen unter Keller-Jäggi rekurrierten vergeblich gegen den  Beschluss des Bundesrates, der die Schächtverbote in den Kantonen Aargau und Bern aufhob.

1892 beschlossen die Delegierten der deutschschweizerischen Tierschutzvereine, eine Volksinitiative zu lancieren, die das Schlachten ohne Betäubung verbot. Das Instrument der Volksinitiative war 1891 auf Drängen sozialdemokratischer und katholisch-konservativer Kreise geschaffen worden. Die Schächtinitiative sollte zur ersten Volksinitiative der Schweizer Geschichte werden. Die Initiative der Tierschützer, die von keiner der politischen Parteien unterstützt worden war, kam mit 83'159 Unterschriften zustande (nötig waren 50'000 Unterschriften). Dass so viele Stimmen zusammen kamen, hängt möglicherweise damit zusammen, dass die Unterschriftensammler für jede Unterschrift eine Prämie erhielten[64]. Die Volksinitiative wurde 1893, trotz gegenteiliger Empfehlung von National- und Ständerat, vom Volk mit über 60% Jastimmen-Anteil angenommen.

 

 

5.2 Das Wahlverhalten in der Abstimmung von 1893

 

In den Kantonen, wo die Tierschutzvereine am stärksten agitiert hatten, wurde die Initiative mit überwältigendem Mehr angenommen. Im Aargau mit über 90% und in den Kantonen Bern und Zürich mit über 80% Jastimmen.

Die katholischen Kantone lehnten die Initiative mehrheitlich ab. Dort gab es auch die meisten Stimmenthaltungen oder Stimmabsenz. Im Kanton Schwyz, wo die Abstimmung mit einem knappen Mehr angenommen wurde, waren nur 17% der Bevölkerung an die Urne gegangen. Im Kanton Luzern zeichnete sich ein ähnliches Bild: 27% der Stimmberechtigten nahmen an der Abstimmung teil, und so nahm der Kanton Luzern die Schächtinitiative mit 57,7%  an. Dies ist Ausdruck des Dilemmas, in dem sich die katholische Schweiz befand. Zwar war sie traditionellerweise judenfeindlich, doch die Erfahrungen aus dem Kulturkampf hatten sie zu konsequenten Verfechtern der Glaubens- und Gewissensfreiheit gemacht.

Die stärkste Ablehnung der Initiative erfolgte in den Westschweizer Kantonen. Im Wallis wurde die Vorlage mit überwältigendem Nein verworfen. Der Ja-Stimmen-Anteil betrug dort nur 3,16%. In Genf waren es 12,81% Ja-Stimmen.

 

 

5.3 Jüdische Reaktionen in der Schächtdebatte

 

Den Schweizer Juden war es von Anfang an klar, dass es in der Schächtfrage um weit mehr ging als nur um Tierliebe. Zwar schreibt Augusta Wedler-Steinberg, dass das erste Aargauische Tierschutzgesetz von 1854 das Schächtverbot unabsichtlich einschloss[65], doch die nachfolgende Sonderregelung für Endingen und Lengnau machte die Schlachtregelung erst zur eigentlichen Judenfrage. Die Juden waren bestrebt, die Bevölkerung aufzuklären. Sie verfassten eine grosse Zahl von Schriften und gaben Dutzende tierärztlicher Expertisen in Auftrag. So veröffentlichte der  Surbtaler Rabbiner Kayserling im Frühling 1867 die Schrift „Die rituale Schlachtfrage, oder: Ist Schächten Tierquälerei?“ der er 25 Gutachten von angesehenen Experten anfügte. Der St. Galler Rabbiner Engelbert schrieb im gleichen Jahr im „Tagblatt der Stadt St. Gallen“  eine Artikelreihe, die er später in der Broschüre „Ist das Schlachten der Tiere nach jüdischem Ritus wirklich Tierquälerei? Eine Antwort der Verwahrung und Abwehr.“ zusammenfasste. Die Stimmen der Schweizer Juden waren objektiv-zurückhaltend: man wollte die erhitzte Stimmung nicht noch weiter anheizen. Die jüdische Zeitschrift Jeschurun von Frankfurt am Main berichtete 1867 hingegen unverblümt über die Schweizer Zustände:

            Die Schweiz dies freie Hochland, in welchem Freiheit und Gleichheit so fest begründet sein sollen, wie seine urewigen hohen Alpen, das keinen einheimischen Autokraten und keinen fremden Eroberer duldet, dessen Bürger allesammt gewaffnet dastehen um „die Freiheit der Bürger“ zu schirmen, die Schweiz, sie war es die erst vor Kurzem – und zwar durch fremden Einfluss und durch das eigensüchtigste Calcül – dazu schritt, den Juden das Menschenrecht   zu gewähren.[…]Unser vorgeschrittenes Zeitalter hat leider den Glauben an  Brunnenvergiftungen und  Kinderraub und Christenopfer der Juden verboten – es galt deshalb etwas ausfindig zu machen, was der Zeit gemäss ist und den Ideen der Humanität entspricht,  und so wurde denn als neuestes Produkt des helvetischen Freiheit- und Gleichheitgeistes eine  Judenverfolgung im Namen der Humanität in Scene gesetzt.[…] Hier, dachten sich die Herren, müssen wir es anfassen und gelingt es uns, vor der hohen Obrigkeit zu erweisen, dass man die Schafe, Kälber und Ochsen nicht mittels eines Schnittes durch die Halsröhren, als den Gesetzen der Humanität zuwider, sondern lediglich vermittelst eines Keulenschlags durch Zerschmetterung des Gehirnschädels töten darf, so haben die Juden kein Fleisch zu  essen, und wandern sicherlich von unseren schönen Bergen hinab in die Ebene. Dabei haben auch die auswärtigen Mächte nicht darein zu reden, unsere Handelsverträge, welche den  Angehörigen der contrahirenden Staaten gleiche Freiheiten, wie den Einheimischen einräumen, bleiben in Kraft wir werden obendrein für unsere humane Gesinnung, die sich      selbst auf das Vieh erstreckt, von ganz Europa und Amerika bewundert und – sind die Juden los.[66]

1891 beauftragten die jüdischen Kultusvereine den Fürsprecher Christian Sahli, um ihre Position gegenüber den Schächtgegnern zu vertreten. Er nannte die Dinge schonungslos beim Namen: „ Die Rekurrenten verwahren sich zwar entschieden dagegen, dass ihren Schächtverboten eine antisemitische Tendenz zu Grunde liege. Wie wollen gerne glauben, dass sie sich dessen nicht bewusst sind; aber dieses antisemitische Treiben kommt von unten, liegt in der Luft und vergiftet die Atmosphäre bis in die regierenden Kreise hinein.“[67]

1904 erfolgte die Gründung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), der bis heute vergeblich gegen das Schächtverbot kämpft.

 

 

6. Schlussfolgerungen

 

In der Schweiz wurde, um mit Mattioli zu sprechen, mit dem Schächtverbot das erste moderne Ausnahmegesetz gegen Juden geschaffen. [68] Dies geschah im Namen des Humanismus und der Tierschutzes. Die Bevölkerung war wegen der von aussen erzwungen Judenemanzipation, aus wirtschaftlichen und aus fremdenfeindlichen Gründen negativ gegen die Juden eingestellt, und war äusserst zugänglich für die von antisemitischen Stereotypen durchsetzte Argumentation der Schweizer Tierschutzbewegung. Dies hing stark mit ihrer personellen Zusammensetzung zusammen, und insbesondere mit dem Anführer der Schächtgegner Andreas Keller-Jäggi. Die Beteuerungen der Schächtgegner, keine Antisemiten zu sein, waren ebenso unglaubwürdig wie die Behauptung W. Marrs, der als der eigentliche „Erfinder“ des Antisemitismus gilt: „…mich beseelt nicht der entfernteste „Judenhass“ und ebenso wenig ein confessioneller Hass gegen die Juden. Nicht einmal ein „Nationalhass“ oder „Racenhass“.“[69]

Dennoch sind die tierschützerischen Bestrebungen nicht immer als Ausdruck von Antisemitismus zu sehen. Mit der zunehmenden Mechanisierung der Schlacht­methoden, mit den Massenschlachtungen und der Massentierhaltung wurde sie vor ganz neue Aufgaben gestellt. So fand die Schlachtindustrie seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts das Betäuben zu zeitraubend und entwickelte äusserst brutale Schlachtmethoden, die lediglich den Gesetzen des Profits gehorchten[70]. Im Kampf gegen solche Machenschaften gerät der Tierschutz auch heute in Konflikt mit der Bevölkerung, die möglichst viel und möglichst billiges Fleisch haben möchte. So ist es einfacher, die breite Bevölkerung für entfernte Anliegen wie Robbenbabys, Tanzbären oder eben das Schächten zu mobilisieren. Es ist politisch weniger riskant, die jüdisch-orthodoxe Minorität, (die wegen ihrer strengen Speisegesetze eh weniger Fleisch konsumiert[71]), zum Vegetarismus aufzufordern, als von der Gesamtbevölkerung Mässigung im Fleischkonsum zu verlangen.

Im Zuge der Mechanisierung wurde der Tod aus dem Leben verdrängt[72]. Niemand möchte genau wissen, was in den Schlachthäusern vor sich geht, und kaum jemand wagt ein Urteil über die Leiden der Tiere vor und im Augenblick ihres Todes.

Sibylle Horanyi schreibt, dass das Schächten in vorchristlicher Zeit den Forderungen des Tierschutzes am besten entsprochen hätte[73]. Mit dieser Aussage wird unbewusst impliziert, dass mit dem Auftreten des Christentums tierfreundlichere Schlachtmethoden in die Welt gekommen seien. Wenn es in der Dissertation Sibylle Horanyis die Absicht war, die Diskussion auf eine neutralere Basis zu stellen, und den Schweizer Tierschutz vom Vorwurf des Antisemitismus zu befreien, dürfte der Versuch als nicht ganz gelungen angesehen werden. Horanyis Dissertation ist eher ein Beleg dafür, wie unreflektiert mit der Vergangenheit umgegangen wird.

Bis heute kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass es beim Schächtverbot und der Debatte rund um das Schächten weniger um Tierliebe, als um die Marginalisierung einer religiösen Minderheit geht.

Mit der Annahme der Schächtinitiative hatte die schweizerische Bevölkerung in einem demokratischen Prozess ihrer antisemitischen Gesinnung Ausdruck geben können. Die Schweiz als Vielvölkerstaat hatte einen Antisemitismus entwickelt, der weniger auf Volk und Rasse gründete, als auf religiösen und kulturellen Vorurteilen. Das Schächtverbot, das sich gegen die für das Judentum zentralen Speisevorschriften richtete, hatte zwei eindeutige Funktionen zur Bekämpfung der Juden. Einerseits war sie ein Aufruf an die bereits in der Schweiz lebenden Juden zur völligen Assimilation, die letztlich in der Aufgabe der Religion mündet, und andererseits war sie eine Abwehr gegen die Zuwanderung von Juden.

© Ingrid Kaufmann

 


7. Literaturverzeichnis

 

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Krauthammer, Pascal: Das Schächtverbot in der Schweiz, 1854-2000. Die Schächtfrage zwischen Tierschutz, Politik und Fremdenfeindlichkeit. Zürich, Diss. iur. Univ. Zürich 2000 Als Manuskript gedruckt.

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Wedler-Steinberg, Augusta: Geschichte der Juden in der Schweiz Zweiter Band. Vom 16. Jahrhundert  bis nach der Emanzipation. Zürich (Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund) 1970.

 



[1] Horanyi, S. 2005, S. 231.

[2] http://www.vgt.ch/news2005/050302.htm eingesehen am 21.12.2005.

[3] Beatrix Mesmer in einem Interview, Kirchenbote 16/2005.

[4] Mattioli, A. 1998c, S. 12.

[5] Mächler, S.  2005, S. 98.

[6] Volkov 1990, S. 27.

[7] Die Juden hatten kein Recht sich in der eigentlichen Eidgenossenschaft niederzulassen. Einzig in der Grafschaft Baden, die erobertes Gebiet war und als „Gemeine Herrschaft“ galt, durften sich die Juden ab dem 17. Jahrhundert in den Dörfern Endingen und Lengnau ansiedeln.

[8] Mattioli, A. 1998a, S. 77.

[9] Mattioli, A. 1998a, S.79.

[10] Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz, 1917/18 S.182 und 187.

[11] Wedler-Steinberg, A. 1970 S. 128.

[12] Ebd., S. 117.

[13] Ebd., S.114.

[14] Ebd., S.116.

[15] Ebd., S.211.

[16] Ebd., S.213.

[17] Krauthammer, P. 2000, S.68.

[18] Es waren bereits die Aufklärer, die den fremden Ursprung der Juden betonten. So sprach Herder als erster vom „fremden, in unseren Erdteil verschlagenen asiatischen Volk. (Arendt, H. 1986, S. 113).

[19] Mattioli, A. 1998b S. 143.

[20] Ebd., S. 147.

[21] Ebd., S. 156.

[22] Ebd., S.155.

[23] Wedler-Steinberg, A. II, 1970, S. 106.

[24] Kaufmann, R.U. 2005, S.132.

[25] Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz 1917/18 S. 221.

[26] Krauthammer, P. 2000, S. 75.

[27] Mattioli, A. 1998a, S.78.

[28] Kaufmann, R.U. 2005, S.131.

[29] Ebd, S.127.

[30] Wedler-Steinberg II 1970, S. 98.

[31] Arendt, H. 1986, S. 111.

[32] Kaufmann, R.U. 2005, S. 130.

[33] Ebd., S.131.

[34] Horanyi fügt hier noch eine zweifelhafte philologische Erklärung an, für die ich keine Beweise finden konnte, und die eine Beschreibung darstellt, die den Schächtregeln explizit widerspricht: „Philologisch wird das Verb „schachat“ mit dem Verb „sachat“ ausgelegt, womit das kontinuierliche Hin- und herziehen des Schlachtmessers auf dem Hals des Tieres während des Schlachtens gemeint ist.“ (Horanyi S. 2004, S. 6).

[35] Gen. 9:4.

[36] Deut. 12:23.

[37] Horanyi S. 2004, S. 115.

[38] Krauthammer, P. 2000, S. 24.

[39] Horanyi S. 2004, S. 200-206.

[41] Telefonat mit D. Zonszajn, 4.1.2006.

[42] kagfreiland 2001, S.1.

[43] Horanyi S. 2004, S. 227-228.

[44] Krauthammer, P. 2000, S. 51.

[45] Horanyi S. 2004, S. 163.

[46] Reichlin, L. 2001.

[47] Mesmer, B. 1998, S. 216.

[48] Landau, W. 1863 S. 41-55.

[49] Mesmer, B. 1998, S. 216.

[50] Krauthammer, P. 2000, S. 27.

[51] Mesmer, B. 1998, S. 217.

[52] Mesmer, B. 1998, S. 216.

[53] Mesmer, B. 1998, S. 217.

[54] Wedler Steinberg II 1970, S. 244.

[55] Mesmer, B. 1998, S. 221.

[56] Horanyi bezieht sich in ihrer Argumentation auch auf Stern, ohne zu berücksichtigen, dass Stern eine Randfigur war, die nicht als repräsentativ für das Judentum gelten kann. (Horanyi, 2005, S. 107)

[57] Krauthammer, P. 2000, S. 53.

[58] Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass seine Nachkommen Frontisten wurden.

[59] Krauthammer, P. 2000,. S. 64.

[60] Mesmer, B. 1998, S. 232.

[61] Mosse, G. L. 1991, S. 143.

[62] Krauthammer, P. 2000, S. 66.

 

[63] Krauthammer, P. 2000, S. 39.

[64] Krauthammer, P. 2000, S. 53.

[65] Wedler-Steinberg, A. II 1970, S. 241.

[66] Jeschurun 1867, S. 383-384.  Einsehbar unter  compactmemory.de

[67] Mesmer, .1998, S. 231.

[68] Mattioli, A. 1998c, S. 12.

[69] Marr, W. 1879, S. 38.

[70] Giedion S. 1987, S.261.

[71] 2001 wurden rund 142 Tonnen Koscherfleisch eingeführt. Wenn man davon ausgeht, dass dieses von rund 3000 strenggläubigen Juden konsumiert wird, entspricht dies einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 47 Kg. Demgegenüber steht der durchschnittliche Schweizer Fleischkonsum von über 61 Kg pro Kopf. (Horanyi, S. 2004, 281-282).

[72] Giedion S.272.

[73] Horanyi S. 2004, S. 104.