Bild und Bilderverbot in der jüdischen Kunst des Mittelalters


Mischna

In der Mischna, dem Gesetzeswerk aus dem zweiten bis dritten Jahrhundert, wird im Traktat Avoda Zara ( = Götzendienst) festgelegt, welche Bilder verboten sind. Mit dem Verbot soll jeglicher Götzendienst verhindert werden, doch gleichzeitig sollen die Gesetze praktisch und durchführbar sein. Der Fokus liegt deshalb vor allem auf der Art und Weise, wie Bilder verwendet werden. Verboten sind Bilder, welche einmal jährlich angebetet werden und ebenso Fragmente von Händen und Füssen, weil mit gleichartigen Objekten Idolatrie getrieben wurde. Die Verbote wurden bereits in der Mischna der praktischen Lebensführung angepasst. So sind zwar Darstellungen des Mondes, der Sonne und des Drachens in das Tote Meer zu werfen, doch nur, wenn sich diese auf ‚ehrenwerten’ und nicht auf weltlichen Objekten (wie beispielsweise Münzen) befinden.[1]

Die Unterscheidung zwischen dem Götzenbild und seiner tatsächlichen Verwendung als Objekt der Anbetung wird besonders in der eingefügten Anekdote von Rabban Gamliels Besuch im Bad der Aphrodite in Akko deutlich. Da das Standbild der Aphrodite nur zur Dekoration dient, und nicht wie ein Gott behandelt wird, (die Leute urinieren davor!), ist laut Gamliel die Benützung des Bades erlaubt.[2]

© Ingrid Kaufmann


 

[1] Correns, D. (2005). Die Mischna: Das grundlegende enzyklopädische Regelwerk rabbinischer Tradition. Wiesbaden: Marixverlag, Aboda zara III 1-3, S. 576-577.

[2] Ebd., Aboda zara III 4, S. 577.

Quellentext in hebräischer Sprache: מסכת עבודה זרה

Hebräisch-deutsches Wörterbuch: milon.li