Bild und Bilderverbot in der jüdischen Kunst des Mittelalters

Maimonides - רמב"ם - רבי משה בן מימון

Der sephardische Rabbi Moses ben Maimon (Maimonides) (1138-1204) hat religionsgesetzliche und philosophische Werke verfasst. Maimonides hatte eine rationalistisch geprägte Weltauffassung und betonte in seinem philosophischen Werk Führer der Unschlüssigen die Unkörperlichkeit des einen Gottes[1], dem keinerlei Eigenschaften zugesprochen werden können[2], und er warf Dichtern und Predigern seiner Zeit, welche Gottesbilder entwarfen, vor, dass ihre Worte „Unsinn und verderbte Phantasien“ enthielten.[3] Maimonides’ rationalistische Positionen führten innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu heftigen Kontroversen, doch seine Autorität als Gesetzeslehrer wurde anerkannt.

 In seinem Codex Mischne Tora hat er die Religionsgesetze thematisch systematisiert. Unter Berufung auf Ex 20,23 („Ihr sollt mir nichts an die Seite stellen; silberne und goldene Götter sollt ihr euch nicht machen“)[4] erklärt Maimonides, dass neben Götzenbildern auch Bilder, die nur der Schönheit wegen produziert werden, verboten sind. Dieses Verbot ist allerdings auf die plastische Darstellung menschlicher Gestalten beschränkt. - Die Darstellung von Sonne, Mond, Sternen, Planeten und Engeln ist auch in zweidimensionaler (gemalter) Form verboten, denn Maimonides interpretiert die Worte „Ihr sollt mir nichts an die Seite stellen“[5] dahingehend, dass „keine Ähnlichkeit meiner Diener, welche mir in der Höhe dienen“[6] hergestellt werden darf.

Trotz dieser strengen Haltung geht mit Maimonides’ strikter Ablehnung von Götzendienst und der Zuschreibung von göttlichen Attributen keine generelle Kunstfeindlichkeit einher. In seinem ethischen Traktat Acht Kapitel spricht er sich sogar für die Notwendigkeit von Kunst aus:

„Gleichwie der Körper durch die Verrichtung beschwerlicher Arbeiten erschlafft, und erst wenn er ruht und rastet, wieder in die rechte Verfassung kommt, so ist es auch ein Bedürfniss der Seele, auszuruhen und sich durch Ergötzung der Sinne beschäftigen zu lassen, z.B. durch Beschauung von Gemälden und anderen schönen Dingen, damit die Abspannung von ihr weiche; wie auch die Weisen sagen „Wenn die Gelehrten durch Studiren matt geworden waren, so redeten sie irgend etwas Erheiterndes.“ Auf diesem Standpunkte ist es gar wohl möglich, dass jene Bemühungen, - ich meine die, welche man auf die Ausschmückung von Gebäuden, Gefässen und Kleidern mit Malereien und farbigen Verzierungen wendet, - weder als schlechte noch als zwecklose Handlungen anzusehen sind.“[7]









[1] Moše ben Maimon, & Weiss, A. (1923-1924). Führer der Unschlüssigen. Leipzig: Meiner, S. 27-30.

[2] Ebd., S. 170ff.

[3] Ebd., S. 211.

[4] Zürcher Bibel, 2007, S. 103.

[5] Ebd.

[6] Mann, V. B. (2000). Jewish texts on the visual arts. Cambridge : Cambridge University Press, S. 23 - 24. Mischne Tora, Awodat Kochawim we Chukoteihem, 3,10-11. - Hebräischer Text:  הלכות עבודת כוכבים פרק שלישי

[7] Moše ben Maimon, & Wolff, M. (1992). Acht Kapitel: Eine Abhandlung zur jüdischen Ethik und Gotteserkenntnis / (2. durchges. Aufl). Philosophische Bibliothek, Bd. 342. Hamburg: Meiner, S. 40.